Chiropraktische Philosophie – eine Wissenschaft im Aufbruch

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Einer der Hauptgründe für den tiefen (andauernden) Bruch zwischen der konventionellen medizinischen Wissenschaft und der Chiropraktik ist die Unterschiedlichkeit ihrer zugrundeliegenden Philosophien. In der westlichen Welt wird die philosophische Wahrheit im philosophischen Sinne durch einen Prozess für gültig erklärt, bei dem wissenschaftlichen Methoden eingesetzt werden. Wahrheiten in Bezug auf Gesundheitswissenschaften wurden bis vor kurzem ausschließlich durch Forschung gefunden, die von organischen, Zellular und Molekularbiologen, Biochemiker, Pharmazeuten und Ärzten durchgeführt wurde. Es ist also nicht sehr verwunderlich, dass die Chiropraktik als gültige Heilkunst lange nicht die entsprechende Anerkennung entgegengebracht wurde. Jedoch fordert das Spitzenfeld der Zellular- und Molekularbiologischen Forschung eine radikale Abkehr von ihren eigenen traditionellen Theorien  und schafft so eine neue Philosophie.

Die Glaubenssätze der modernen Wissenschaft wurden festgesetzt von dem englischen Philosophen Francis Bacon und kurz darauf nach der Wissenschaftlichen Revolution (1543) allgemein übernommen. Laut diesem Grundsatz war es die Aufgabe der Wissenschaften die Natur zu kontrollieren und zu dominieren. Der Hauptgrund der wissenschaftlichen Forschung war es, ein Verständnis für die Naturgesetze der Körpervorgänge zu erlangen. Davon versprach man sich, dass die Menschheit letztendlich über die Natur triumphieren werde.

Bevor die Menschheit imstande sein würde, die Natur zu beherrschen, musste man zunächst herausfinden, wie ein lebender Organismus funktioniert. Die westliche Zivilisation richtete ihr Hauptaugenmerk auf zwei Ursprünge dieser Herrschaft, die sich gegenseitig ausschließen: Kontrolle von außen und Kontrolle von innen. Diese zwei gegensätzlichen Philosophien wurden das erste Mal im Goldenen Zeitalter Griechenlands
entwickelt. Plato teilte den Menschen in zwei Teile: den Körper und die Seele. Die Seele wird im allgemeinen angesehen als eine Größe, die zwar im Zusammenhang mit dem Körper steht aber doch von ihm unterschieden werden kann – der spirituelle Teil des Menschen, der sein physische Existenz beseelt/belebt und den Tod überlebt. Die Seele, oft auch als Psyche, Geist oder Lebenskraft bezeichnet, repräsentiert eine von außen kommende, belebende Kraft die den menschlichen Körper Leben einhaucht.

Im Gegensatz dazu glaubten die Anhänger Demokrits, Atomisten genannt, dass lebende Organismen maschinenähnliche Strukturen wären, die aus Atomen bestehen. Sie glaubten, dass die Art und Qualität des Lebens von dem Zusammenspiel der physikalischen Atome, aus denen sich der Körper zusammensetzt, bestimmt wird. Atomisten waren reine Materialisten, die davon ausgingen, dass das Leben von der inneren Chemie determiniert wird. Somit wiesen die Atomisten alle übernatürlichen Beweggründe des menschlichen Verhaltens zurück. Zusätzlich führte die Auffassung der Materialisten, die das Leben als Maschine sahen zu dem Konzept von Heilung als mechanistischen Prozess.

Die Auseinandersetzung darüber, ob das Leben nun von spirituellen oder materiellen Kräften bestimmt wird, fand ihren Höhepunkt im 19. Jahrhundert. Zu dieser Zeit, bezeichneten die Wissenschaftler, die für eine spirituellen Einfluss eintraten als Vitalisten. Laut dem Merriam-Webster Lexikon ist Vitalismus der Glaube, dass die Prozesse des Lebens letztendlich nicht durch die Gesetze der Physik und der Chemie vollständig erklärt werden kann und das Leben teilweise selbstbestimmt ist. Die Vitalisten vertraten die Auffassung, dass ein vitaler Faktor, unabhängig von den physisch-chemischen Faktoren für die Kontrolle/Steuerung der körperlichen Struktur und Funktion zuständig ist. Da die Definition des Vitalismus davon ausgeht, dass die Art dieser Kraft jenseits der Gesetze der Physik  und der Messbarkeit anzusiedeln ist, bewegte sich vitalistische Mechanismen außerhalb der definierten Parameter der modernen Wissenschaft. Trotz seiner metaphysischen Natur zählten sich viele traditionelle Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts zu den Anhängern des Vitalismus.

Die (breite) Unterstützung des Vitalismus kam gewaltig ins Wanken als Charles Darwin im Jahre 1889 „Die Entstehung der Arten“ veröffentlichte. In seiner Abhandlung über die Evolutionstheorie, behauptet (emphasize) Darwin, dass innere (internalized) vererbliche Faktoren (die Existenz der Gene war noch nicht bekannt) die Entwicklung der Arten bestimmten. 10 Jahre nach der Erstveröffentlichung seiner Theorie wurde sie von der Mehrheit der konventionellen Wissenschaftler unterstützt. Darwins Theorie der Evolution widerlegte (deny)verweigerte die Rolle der Seele oder der Lebenskraft auf die Entfaltung des Lebens auf diesem Planeten. In der Folge fixierte sich die Wissenschaft (kurzsichtig) auf die Suche nach den inneren materiellen Elementen die biologische Organismen bestimmen.

D.D.Palmer war sich der breiten Ablehnung der Wissenschaftler von Konzepten, die in Zusammenhang mit dem Seelischen und der Lebenskraft stehen, sehr bewusst. Bei seiner ersten Beschreibung der Wissenschaft der Chiropraktik prägte er die Begriffe „Universelle Intelligenz“ und „Innere Intelligenz“, um die inhärente organisierende Intelligenz des Universums und das Leben zu bezeichnen.
„In den frühen Jahren der Chiropraktik verwendete ich die Begriffe Das Angeborene (Innate), Innere Intelligenz (spiritueller Intellekt) und Universelle Intelligenz (Gott), da sie allgemein verständlich waren und die Welt noch nicht dazu bereit war, die letzteren Begriffe auszunehmen, die ich gerade in Klammern angegeben habe. Möglicherweise ist es auch heute noch zu früh, sie anzuwenden“ (Seite 542, Wissenschaft, Kunst und Philosophie der Chiropraktik).

Da der Vitalismus den Kern der chiropraktischen Philosophie darstellt und Vitalismus als Metaphysik gilt, wird die Philosophie der Chiropraktik von der konventionellen medizinischen Wissenschaft nicht anerkannt. Obwohl die moderne Medizin die Chiropraktik für unwissenschaftlich hält, kann sie doch nicht die wachsende Anzahl von Patienten ignorieren, die mit den Erfolgen chiropraktischer Behandlung zufrieden sind. Der Erfolg der Chiropraktik in den letzten Jahren hat den Gegensatz/Feindschaft zwischen konventionellen Medizinern und Chiropraktikern neuen Aufwind gegeben. Die biomedizinische Forschung sieht sich außerstande die Wirksamkeit der chiropraktischen Behandlungen zu erklären, da sie in direkter Opposition zu dem gegenwärtigen Wissenstand über biologische Kontrollmechanismen steh.

Seit dem die Wirkungsweise der DNA entdeckt wurde, basiert die biomedizinische Wissenschaft auf dem Glauben, dass die Struktur, die Funktion und die Gesundheit eines Organismus direkt oder indirekt von seinen Genen bestimmt wird. Dies führte zu dem Konzept der Vorrangstellung der DNA, das davon ausgeht, dass sowohl unsere physischen Eigenschaften als auch unsere Verhaltensweisen von den Genen bestimmt werden. Die Wissenschaftler gingen noch einen gewaltigen Schritt weiter und entwickelten folgerichtig die Theorie des genetischen Determinismus, die Lehre davon, dass sowohl unsere Gesundheit als auch unser Schicksal durch unser Gengut festgelegt ist. Logischerweise ist daher die Tatsache, dass eine von außen kommende chiropraktische Behandlung den Ausprägung eines Systems entscheidend verändern kann, eine Herausforderung für die konventionelle Medizin.

Eine ursprüngliche Quelle für die Meinungsverschiedenheiten zwischen den Schulmedizinern und den Chiropraktikern wird offensichtlich, wenn man betrachtet, wie jede Disziplin den Fluss von Informationen in lebenden Systemen erklärt (perceive). Die Erklärung der Schulmedizin ist wie folgt: Die Gene sind die Träger der inneren Steuerungsquelle, Wahrnehmungen vom äußeren Gewebe und Organen, Gen-Ausprägungen in der Form von äußerem Gewebe und Organen  leiten Signale an das Rückenmark weiter, und diese Information dann über das Rückenmark an das Gehirn geschickt. Dieser Weg kann verkürzt als (von ) Außen (nach)Innen (von) Unten (nach) Oben englisch: Outside>Inside>(from) Down > (to) Above (OIDA) beschrieben werden.

Im Gegensatz dazu, versteht grundlegende Philosophie der Chiropraktik, wie sie von D.D. Palmer definiert wurde (vor ihrer Abwandlung durch B.J.Palmer) den Fluss der Information von einer äußeren Quelle, der universellen Intelligenz. Jedes einzelne Lebewesen benötigt einen unveränderlichen Teil dieser Intelligenz, als „Innate“ (die innere Weisheit des Körper/Geist) bezeichnet. (Seite 494 und 496 Wissenschaft, Kunst und Philosophie der Chiropraktik).

Obwohl das Innate selbst nicht an einen Ort gebunden ist, ist doch der Sitz über den es Kontrolle ausübt, das Gehirn. Vom Gehirn aus strömt die Intelligenz des Innate das Rückenmark hinunter, und von dort nach außen in die Gliedmaßen, ein Weg der mit Oben (Above)>Hinunter (Down)> (von) Innen (Inside)> (nach) Außen (Outside) (A-D-I-O) bezeichnet wird.

Diese philosophischen Grundlagen der beiden Praktiken sind der springende Punkt der Meinungsverschiedenheit(Gegensätzlichkeit). Das A-D-I-O Prinzip der Chiropraktik steht dem O-I-D-A Prinzip der Medizin diametral gegenüber. Getreu dem alten Grundsatz, dass die Macht bestimmt, was Recht ist, besteht die zahlreiche Anhängerschaft der konventionellen Wissenschaft auf der Richtigkeit ihres Dogmas und lehnt die Ansichten der kleineren Gruppe der Chiropraktiker entschieden ab.

Jedoch zeichnen sich grundlegende (philosophische) Veränderungen ab. Die neueste Forschung in der zellulären und molekularen Biologie bietet seit kurzem ein völlig neues Konzept der Mechanismen, die das Leben und die Evolution steuern, an. Diese neuen Erkenntnisse werden unweigerlich dazu führen, dass die beiden Wahrheiten der biomedizinischen Wissenschaft und der Chiropraktik miteinander verschmelzen und zu einem neuen Ganzen werden.

Die konventionelle medizinische Forschung legt Wert auf die Feststellen, dass die Gene zuständig für Gesundheit und Krankheit sind. Das „Primacy of DNA“ Dogma impliziert, dass Gene sich selbst regulierende Einheiten sind. Ein fundamentaler Bestandteil dieser Theorie ist die Voraussetzung, dass Gene ihren eigenen
Ausdruck formen. Definitionsgemäß müssen Gene fähig sein, sich selbst an und auszuschalten/zu aktivieren und zu deaktivieren, wie das Konzept der Krebsgene, die sich selbst aktivieren, verdeutlicht.

Jedoch wurde diese Vorstellung der DNA durch die neueste Forschung gewaltig erschüttert. Die Forschungsergebnisse machen deutlich, dass die Annahme der Selbstregulationsfähigkeit der Gene nicht länger aufrecht gehalten werden kann. Ein richtungsweisender Artikel von H.F.Nijhout (Metaphors and the Role of Genes in Development, BioEssays 12:441,1990) Metaphern und die Rolle der Gene in der Entwicklung) zeigt auf, wie die Konzepte zur Beschreibung der Kontrollmechanismen und Kontrollprogramme der Gene ursprünglich als reine Metapher gedacht waren, um Forschungsansätze zu definieren und weiterzuführen. Die weit verbreitete Wiederholung dieser bestechenden Hypothese führte im Laufe der Zeit dazu, dass die Metapher eines Modells zur unangefochtenen Wahrheit über den Mechanismus wurde, obwohl die Theorie nicht von Beweismaterial untermauert werden konnte.

Knapp und elegant formuliert Nijhout seine neuen Erkenntnisse: Wird ein Genprodukt benötigt, aktiviert eine Signal aus der Umgebung des Gens, und nicht eine ihm innewohnende Eigenschaft die Ausprägung des Genotyps dieses Gens. (Hervorhebung vom Autor). Einfach ausgedrückt, ein Gen kann sich nicht selbst ein- und ausschalten, es benötigt ein Signal von der Umgebung um, seine Ausprägung zu steuern. Gene sind tatsächlich mit der Struktur und den Verhalten eines Organismus eng verknüpft, aber sie sind nicht die Quelle der Steuerung.

Die Ausprägung der Gene findet statt unter dem Einfluss spezieller Proteine, so genannte regulative Proteine.  Die regulativen Proteine docken an die DNA an und maskieren die Aktivität der Gene. Um ein bestimmtes Gen zu aktivieren, müssen diese regulativen Proteine von dem DNA-Strang entfernt werden. Das Andocken und das Abspalten der Proteine wird von außen kommenden Signalen gesteuert. Wichtiger als die Primacy der DNA ist daher die Rolle der Umgebung in der biologischer Ausprägungen.

Die Tatsache, dass der Zellkern und die Gene, die er einschließt, nicht die Steuerungselemente oder das „Gehirn“ der Zelle darstellen, lässt sich leicht durch Studien belegen, in denen die Zelle strukturell oder funktionell von ihrem Kern befreit wird. Die Zellen in diesen Experimenten weisen immer noch ein komplexes Verhaltensrepertoire auf, führen zielgerichtete Interaktionen mit ihrer Umgebung aus und können noch monatelang überleben, obwohl die funktionalen Gene nicht mehr vorhanden sind. Daher können Gene nicht mehr als die Quelle der Kontrolle über Zellverhalten angesehen werden.

Auch wenn Gene keine sich selbst regulierenden Einheiten sind, so sind sie doch die Träger des Codes für die Eigenschaften unseres physikalischen Körpers. Alle unsere Gene stammen von der elterlichen DNA, daher kann man immer noch argumentieren, dass unsere Ausprägung (die Physiologie, die Gesundheit, das Verhalten) vom Erbgut vorherbestimmt wird. Aber auch diese Annahme wurde nun erschüttert. Im Jahr 1988 veröffentlichte der Genetiker John Cairns einen Artikel, der die Welt der Wissenschaft revolutionieren sollte: On the Origin of Mutants (Nature: 335:142:1988) (Über die Herkunft der Mutanten). Darin zeigte Cairns auf, dass Genmutationen nicht nur das Resultat chemischer Zufälle sind, wie allgemeinhin heute angenommen wird.

Cairn platzierte Bakterien, die ein defektes Gen in Bezug auf das Enzym Lactase aufwiesen, auf Petrischalen. Die Petrischalen enthielten Lactose als einzige Nahrungsquelle, die die Bakterien aufgrund ihres fehlenden Enzyms nicht abbauen konnten. Nach kurzer Zeit jedoch begannen die geschwächten, sich nicht replizierenden Bakterien zu gedeihen und sie vermehrten sich stark. Bei genauerer Betrachtung zeigte sich, dass in den Bakterien genau das defekte Lactase-Gen mutiert hatte und somit repariert worden war. Cairns Forschung zeigte auf, dass Organismen auf Umweltbelastungen mit einer aktiv eingeleitenden Gen-Mutation reagieren können, ausgewählte Gene mutieren, um das Überleben zu ermöglichen. Solche Mutation entsprechen den mechanischen Anpassungen, die von Organismen als direkte Reaktion auf Lebenserfahrungen herbeigeführt werden.

Obwohl Cairns Resultate von traditionellen Wissenschaftlern vehement angefochten wurden, fand u.a. Harris weitere Beweise für die Existenz eines Mechanismus, der für Cairns Beobachtungen verantwortlich war. Recombination in Adaptive Mutation (Science 264:258,1994) Diese Veröffentlichung zeigte auf, dass Organismen, auch wenn sie so primitiv sind wie Bakterien, genetische Reparaturgene enthalten. Diese neu entdeckte Gen-Art kann von einem Organismus aktiv aufgerufen werden, um ausgewählte bereits existierende Gene zu mutieren. Durch erfolgreiche Anpassungs-Mutationen ausgewählter Gene, sind Organismen imstande, neue Proteine herzustellen, deren veränderte Strukturen oder Funktionen bessere Chancen ermöglichen, in einer schwierigen Umgebung zu überleben.

Von dieser völlig neuen Betrachtungsweise ausgehend, veröffentlichte David Thaler einen Artikel von umwälzender Bedeutung mit dem Titel The Evolution of Genetic Intelligence (Science 264:224, 1994). Thalers neuer Ansatz trägt dem Umstand Rechnung, dass biologischen Ausprägungen von der Wahrnehmung der Lebenserfahrungen eines Individuum mitbestimmt werden. Thaler betont die Bedeutung der Wahrnehmung, nicht nur in Bezug auf ihre Fähigkeit, körperliche Ausprägungen durch dynamisches Wechseln von genetischen Programmen zu lenken, sondern auch in Bezug auf ihre Fähigkeit, bereits existierende genetische Programme umzuschreiben um sich besser schwierigen Umweltbedingungen anpassen zu können.

In die richtige Relation gesetzt, zeigt diese neue Sicht der konventionellen Biomedizin profunde Veränderungen grundlegender Glaubenssätze. Die Primat der DNA weicht dem Primat der Umwelt. Kurz gesagt verschiebt die konventionelle Wissenschaft den Ursprung der intelligenten Steuerung von inneren Genen zu äußeren Umweltsignalen. Diese regulativen Umweltsignale scheinen teilweise D.D.Palmers Konzept der Universellen und Inneren Intelligenz zu entsprechen.

Zusätzlich wurde aufgezeigt, dass der Organismus aktiv innere Genprogramme als Antwort auf Lebenserfahrungen verändern kann – eine Methode der selbsttätigen Anpassung an wahrgenommene Umweltbedingungen. Wenn die Wahrnehmung der Umwelt durch ein gebildetes Gehirn voreingenommen gefiltert wird, dann kann diese „gebildete“ Intelligenz („Educated“) die innere Intelligenz stören, in dem sie unpassende Genprogramme wählt und so Krankheiten hervorruft. Die konventionelle Medizin erkennt nun (auch?), dass „Educated“ eine Umschreibung, bzw. eine Mutation der Programme der Inneren Intelligenz induzieren kann . Daher kann die voreingenommene Wahrnehmung des „Educated“ zu genetischen Fehlfunktionen und zu Krebs führen.

Es gibt eindeutig einen Umbruch des konventionellen Denkens unter den Reihen der Schulmediziner. Das Interessante an diesen neuen Überlegungen ist, dass sie die konventionelle Biomedizin näher zu D.D.Palmers originalen chiropraktischen Philosophie rückt. Die Einzigartigkeit der Chiropraktik begründet sich durch ihre vitalistische Basis. Die Ergebnisse der brandneuen zellulären und der molekularen Forschung beweisen, dass die Chiropraktik sich eng an ihre vitalistischen Wurzeln halten soll und sich weiter auf sie berufen und sie förden sollte.

Die chiropraktische Philosophie des D.D.Palmer ermöglicht ein tiefes Verständnis für die Prinzipien, die in seiner Heilkunst zur Anwendung kommen. Palmer hielt fest, dass die vitalen Funktionen des Lebens von der Inneren Intelligenz gesteuert und kontrolliert (control) werden, die unter der Führung der ewigen „Innate“ stehen (das Angeborene). Weiters definiert er „Educated“ als eine Intelligenz, die man durch Lebenserfahrungen erworben hat. „Educated“ versorgt die „Innere Intelligenz“ mit einem Bewusstsein für die Umgebung des Körpers und in dem Prozess hat es die Funktion, das Grundgerüst in einer sich ständig verändernden Umgebung zu erhalten, zu reparieren und anzupassen.

1A Die Wahrnehmungen, die durch das „Educated“ erworben werden, sind verkörpert in den Dingen, an die man glaubt, und diese Glaubenssätze leiten das Verhalten der Inneren Intelligenz. Laut Palmer, gibt das Educated seine Gedanken an Innate weiter, prägt es dadurch und leitet mehr oder weniger seine Tätigkeit.

1B Wenn die erlernten Erfahrungen voller Irrtümer und verfälschter Wahrnehmungen sind, dann leitet das „Educated“ versehentlich die Aktivitäten der allwissenden Inneren Intelligenz in die Irre. Palmer erklärte, dass das „Educated“ die Innere Intelligenz stören und beunruhigen kann, wenn es versucht die Innere Intelligenz in Bereichen zu leiten und zu führen, über die die Innere Intelligenz viel mehr weiß, als das Educated je wissen kann.

IC Palmer führte weiter aus, wie verfälschte Wahrnehmungen eines „verbildeten“ Verstandes Krankheiten verursachen können, da sie fehlerhafte Informationen an die Innere Intelligenz weitergeben. Für ihn war Auto-Suggestion, das Selbstgespräch des Educated, eine der Hauptursachen von Krankheit.

1D D.D.Palmer wurde von der „Palmer School of Chiropractic“ 11 Jahre nachdem er die Wissenschaft begründet hatte ausgeschlossen. Seine Philosophie der Chiropraktik wurde daraufhin wesentlich verändert, dass Konzept der Seele in der Inneren Intelligenz wurde beseitigt und die Rolle der Autosuggestion, die Herrschaft des Verstandes über die Materie, als Ursache von Krankheiten eliminiert. Diese Begriffe, die zu metaphysisch oder zu religiös erschienen, wurden entfernt, in dem Versuch die Chiropraktik wissenschaftlicher zu machen, leichter zu akzeptieren für die konventionelle Welt.

Während der letzten 80 Jahre gab es innerhalb der Profession zunehmend unterschwellige Versuche, die Chiropraktik mehr an die Schulmedizin anzupassen, da die Biologie offenbar Riesenschritte in Richtung besseres Verständnis der Lebensmechanismen unternommen hatte. Heute hat die konventionelle Biologie anerkannt, dass die physikalischen Eigenschaften und das Verhalten eines Organismus von Bausteinen aus Proteinen bestimmt wird. Da die Anordnung der Proteine von der DNA festgelegt wird, erkennt die medizinische Wissenschaft folgende Hierarchie in Bezug auf den Informationsfluß in lebenden Systemen: DNA>RNA>Protein. Auf diesen Informationsfluß aufbauend, sind heutige biomedizinische Überlegungen vor allem von dem Konzept des genetischen Determinismus geprägt, der davon ausgeht, dass die Ausprägung eines Organismus vor allem von seinen Genen bestimmt wird.

Die allerneueste Forschung jedoch zeigt einen völlig neuen Aspekt auf. Der Hauptunterschied liegt in der Tatsache, dass Gene nicht aus sich selbst in Erscheinung treten, das heißt, dass sie nicht imstande sind, sich selbst zu aktivieren und zu deaktivieren, Gene können also nicht ihre eigenen Ausprägung steuern. Klarerweise erschüttert diese Erkenntnis das Konzept, das Gene unseren Charakter festlegen können.

Wie also werden Gene kontrolliert? Innerhalb des Zellkerns sind DNA-Moleküle von einer Schicht regulativer Proteine umgeben. Verdeckte (also von Proteinen umhüllte) Gene sind inaktiv. Wird die Protein-Hülle entfernt, wird das Gene freigelegt und so aktiviert. Das Andocken und das Freisetzen der regulativen Proteine wird von Umwelt-Signalen ausgelöst. Daher ist das die aktive Kontrolle über die Zell-Ausprägungen auf Seiten des Umwelt und keine Domäne der Gene.

Im Gegensatz zu der genetischen Regulation, enthüllt die revidierte Version des Informationflusses, dass die Umwelt die Hauptquelle der Steuerung ist.

Umwelt>Regulatives Protein>DNA>RNA>Protein. Die Verarbeitung der Umweltinformation und seine Übersetzung in biologische Verhaltensweisen wird von der Zellmembran durchgeführt, die Umhüllung der Zelle.
Die Membran separiert das äußere „Nicht-Selbst“, die Umwelt vom Inneren Selbst, dem Cytoplasma.

Die Protein-Rezeptoren sind auf den Oberflächen der Zellmembranen verteilt, sie sind für den INPUT verantwortlich. Rezeptoren sind auch innerhalb der Zellmembranen angebracht, sie nehmen Informationen über den Zustand des Cytoplasma auf, etwa den PH-Wert, den Salzgehalt, die Beschaffenheit der Membran, das Vorhandensein von Stoffwechselprodukten und Energie-Molekülen und anderen Parameter der Zellphysiologie. Die Proteine an der Außenwand der Membran versorgen die Zelle mit Informationen über die äußere Welt, die sie benötigen, um durch ihre Welt zu navigieren. Die internen Membran-Rezeptoren sind für die viszeralen Bedürfnisse zuständig, die äußeren Rezeptoren regulieren vor allem das Verhalten des Zellkörpers. Daher haben die Informationen über die Außenwelt einen weit gehenden Einfluss auf das Cytoskeletts und das Verhalten der Zelle.

Um diese Umweltinformationen umzusetzen (d.h. biologische Reaktionen auf äußere Signale zu setzen) verbinden sich aktivierte Rezeptoren mit komplementären Effektor-Proteinen. Die Aktivität der Effektor-Proteine in der Membran, zu denen der Ionen-Kanal, Enzyme und Bestandteile des Cytoskeletts gehören wird von den Rezeptor-Proteinen gesteuert. Das  Output-Verhalten wird von aktivierten Effektor-Proteinen gesteuert. Effektor-Proteine fungieren in erster Linie als Schalter oder sekundärer Botenstoff, die komplexere Protein-Wege innerhalb der Zelle aktivieren oder deaktivieren. Effektor-Proteine regulieren cytoplasmatische Wege, zu denen unter anderen das Bewegungsvermögen, die Verdauung, die Ausscheidung und die Atmung zählen.

Das Datenspeicher/MEMORY-System einer Zelle, die Gene, werden auch von den Membranen gesteuert. Manchmal erhalten Zelle Umweltsignale, die bestimmte Reaktionen erfordern, jedoch die Zelle besitzt nicht die erforderlichen Proteine im Cytoplasma, um das erforderliche Verhalten an den Tag zu legen. In diesem Fall sind Verbindungen aus aktivierte Rezeptor- und Effektor-Proteinen imstande, das regulative Proteine, das das zuständige Gen blockiert, anzusteuern. Diese Botenstoffe in der Membran, die Transkriptionsfaktoren genannt werden, verändern das Bindeverhalten der regulativen Proteine und bringen sie dazu, sich von der DNA zu lösen und damit die Gene freizusetzen, die abgerufen werden sollen. So steuern Umweltsignale die Ausprägung der Gene. Sobald Zellen neue Umgebungen wahrnehmen, sind sie imstande, ihre genetische Ablesung dynamisch abzustimmen und sich so an die Erfordernisse der Umwelt anzupassen. Also spiegelt sich in der strukturellen und verhaltensspezifischen Ausprägung einer Zelle die Umweltbedingungen des Organismus wider.

Die wesentliche Rolle der Umwelt in der Steuerung der Gen-Ausprägung wurde durch aktuelle Studien mit neu entdeckten Stammzellen aufgezeigt. Stammzellen, also multipotentielle, (noch nicht differenzierten) Embryonalzellen, vermehren sich stark und bilden große Kolonien von undifferenzierten Zellen. Die zukünftige Entwicklung der Stammzellenvermehrungen kann im Experiment durch Umweltveränderungen gesteuert werden. Umweltsignale aktivieren die Transkriptionsfaktoren der Stammzellen, die ihrerseits spezielle Gen-Programme auswählen, die die Differenzierung dieser Zelle steuern. Gene sind codierte Programme, die dem Organismus als Individuum und der Spezies in ihrer Gesamtheit das Überleben ermöglichen. Genprogramme können in zwei funktionelle Gruppen unterteilt werden. Eine Gruppe verkörpert den Wachstumsmechanismus. Sie ist ausschließlich für den Aufbau und die physiologische Erhaltung des Körpers zuständig. Jedoch ein Organismus, der ausschließlich mit Wachstumsmechanismen ausgestattet ist, wäre nichts viel anderes als ein reines Futtermittel und würde schnell aussterben. Die zweite Gengruppe ist für den Umgang mit Umweltgefahren zuständig. In ihr sind Schutzprogramme incodiert. Diese Gene sorgen für körperliche Mechanismen und für Verhaltensweisen, die in lebensbedrohlichen Situationen zum Einsatz kommen.

Überleben setzt sich zusammen aus der Kombination von Wachstumsprogrammen und von Schutzprogrammen. Das Schutzverhalten bringt nichts für das Wachstum und umgekehrt. Beide Programme, sowohl Wachstum, als auch Schutz benötigen Energieaufwendungen von Seiten des Organismus. Die Fähigkeit eines Organismus, zu wachsen und sich zu vermehren basiert letztendlich auf das Ausmaß an Energie, das zur Unterstützung dieser Prozesse verfügbar ist. Jedoch die Fähigkeit sich zu beschützen, wird aus der selben Energiequelle gespeist. Organismen, die sich mit Schutzverhalten beschäftigen, setzten dafür Energie aus ihren Reserven ein und haben dafür weniger Energie für Wachstums-Prozesse. Unter extremen Umweltbelastungen können die Anforderungen für den Schutz das Energie-Budget völlig aufbrauchen, bis zu einem Ausmaß dass der Organismus stirbt, da nicht mehr genügend Energie zur Aufrechterhaltung der Stoffwechselfunktionen vorhanden ist. Ökonomisch ausgedrückt, das Überleben ist umgekehrt proportional zum Bedarf an Schutz. Mehr Schutz bedeutet gleichzeitig weniger Wachstum.

Überleben = Wachstum/Schutz

Wachstumsprogramme sind eng mit Anziehung verknüpft. Organismen werden von denjenigen Elementen der Umwelt angezogen, die ihr Leben aufrechterhalten (z.B. Futter, Wasser, Luft, Paarungspartner). Schutzverhalten ist dagegen verknüpft mit Abstoßung. Schutzreaktionen auf bedrohliche Auslöser zeigen sich in einer Körperhaltung, die eine Abwehrreaktion widerspiegelt. Wachstumsverhalten und Schutzverhalten kann leicht voneinander unterschieden werden, wenn man die Zellmotilität beobachtet. Zellen, die Wachstumsprozesse ausführen, bewegen sich auf lebenserhalten Auslöser zu (Anziehung). Zellen hingegen, die Schutzprozesse ausführen, bewegen sich von lebensbedrohenden Auslösern weg (Abstoßung). Das Verhalten von einzelligen Organismen ist digital, d.h. sie bewegen sich entweder auf positive(+) Stimuli zu oder von negativen (-) Stimuli weg.

Die Ergebnisse aktueller Studien über molekulare Steuerungsmechanismen beweisen weiters die digitale Beschaffenheit des Verhaltens. Es wurde herausgefunden, dass Zellen eine Art Reihenschalter besitzen, mit dem sie kollektiv von Wachstumsprogrammen auf Schutzprogramme schalten können, um auf Umweltbelastungen zu reagieren.

Wachstum und Schutz scheinen sich gegenseitige ausschließende Verhaltensweisen in Einzellern zu sein, eine Zelle kann sich nicht zur selben Zeit im Wachstum und in einem Schutzverhalten befinden. Einfach ausgedrückt, eine Zelle kann sich nicht gleichzeitig vorwärts und rückwärts bewegen. Die dynamische Wechselbeziehung zwischen Umweltsignalen und Wachstums/Schutz-Genen ließ die Innere Intelligenz entstehen, die es den Zellen ermöglicht, Umweltsignale zu deuten und die entsprechenden Überlebensmechanismen zu aktivieren. Die ersten drei Milliarden Jahre, in denen Leben auf der Erde existierte, bestand es aus einzelligen Organismen, die überlebten, in dem sie ihre individualisierte Innere Intelligenz einsetzten. Vor fünfhundert Millionen Jahren schlossen sich die Einzeller zu Kolonien zusammen, in denen die Zellen ein kollektives Bewusstsein über ihre Umwelt teilen könnte. Ein besseres Bewusstsein erhöhte die Überlebenschance eines Organismus. Die ersten Zusammenschlüsse waren nichts anderes als eine lose Gemeinschaft von Zellen, in denen alle individuellen Organismen die selben Funktionen ausführten. Eine einzelne Zelle konnte jederzeit die Kolonie verlassen und eine neue Kolonie gründen. Die kleinsten dieser frühen Zellkolonien bestanden aus nicht mehr als vier, die größten aus einigen Hundert Zellen. Mehrzellige Organismen machten die Entwicklung einer gemeinsamen Sprache zur Kommunikation erforderlich, da das Überleben von der Organisation und der Koordination der gemeinsamen Aktivitäten abhing. In den kleinen Zellgruppierungen, fand die erste Kommunikation in der Form von Neurotransmittern und von Schwingungsfrequenzen statt, die zwischen den eng verbundenen Zellen frei ausgetauscht wurden.

Als sich die kommunalen Intelligenzmechanismen weiterentwickelten, konnten erfolgreiche Kolonien größere Zellpopulationen tragen. Es kam zu einem Punkt, an dem Kolonien so groß wurden, dass es unrationell wurde, dass alle Zellen die selbe Arbeit verrichteten. Große Kolonien begannen überlebenswichtige Aufgaben untereinander aufzuteilen. Das führte zu einer Ausdifferenzierung, ein Prozess in dem Zellen spezialisierte Funktionen übernahmen, wie zum Beispiel Haut, Knochen und Nerven.

In großen Zellkolonien sind die meisten Zellen nicht im direkten Kontakt mit der Außenwelt. Aus der Notwendigkeit heraus spezialisierte sich ein Teil der Zellenpopulation darauf, die Umwelt zu „lesen“ und diese Wahrnehmungen an Zellen im Inneren der Gemeinschaft weiterzuleiten.
Diese Informationen bearbeitenden Zellen wurden zum Nervensystem des Organismus. Heute können einzelne Zellenkolonien aus Billionen einzelnen Zellen bestehen. Menschen sind zum Beispiel eine Zellkolonie von 50 bis 70 Billionen Einzelzellen. Jede menschliche Zelle ist auch eine frei lebende Einheit, wie eine Amöbe, die eine Innere Intelligenz besitzt und die fähig ist, auf ihre lokale Umgebung (also, das Gewebe, was sie umgibt) angemessen zu reagieren. Durch die Aktivität des Nervensystems, ist jede einzelne Zelle auch von einer viel weiteren Umgebung beeinflusst, die von dem gesamten Organismus erlebt wird. Die Leberzelle weiß, was in Ihrer Leber vor sich geht, aber durch das Nervensystem weiß sie auch, wie es in Ihrem Job und in Ihrer Beziehung läuft.

Wie hier dargestellt wurde, erhalten die Zellen Umweltsignale über das zentrale Nervensystem. Tatsächlich erhalten die Zellen eine Wahrnehmung der Umwelt, die vom gebildeten Hirn so interpretiert wurde.

Unser Nervensystem verarbeitet ungefähr vier Milliarden Umweltsignale pro Sekunde. Seine Hauptaufgabe ist es, die Umwelt zu „lesen“ und entsprechende Anpassungen in Bezug auf Wachstums- und Schutzverhalten vorzunehmen, um das Überleben zu gewährleisten. Ein Datenspeicher-System, die Erinnerung, entwickelte sich, um das Bewältigen der Informationen zu erleichtern, früher erlernte Erfahrungen werden bewahrt. Erinnerungen, die Wahrnehmungen verkörpern, werden bewertet, je nachdem ob sie das Wachstum fördern oder eine Schutzreaktion erforderlich machen. In der chiropraktischen Philosophie bilden diese erlernten Erfahrungen den Educated Intellekt, der im Laufe der Evolution von der kollektiven Inneren Intelligenz abgeleitet wurde.

Wie oben beschrieben, ist der Schaltmechanismus zwischen Wachstums- und Schutzverhalten in einzelligen Organismen digital. Eine einzelne Zelle bewegt sich entweder vorwärts oder rückwärts. In Organismen, die sich aus einer großen Anzahl von Zellen zusammensetzen, können Umweltsignale eine abgestufte, analoge Reaktion hervorrufen, bei der sich einige Zellen in einem Wachstumsprozess, andere in einem Schutzzustand befinden.

Je relevanter ein Stimulus für das unmittelbare Überleben eines Organismus ist, desto polarisierter (entweder + oder -) ist die Reaktion darauf. Bei Menschen, können die Extreme dieser zwei Polaritäten als LIEBE (+) und ANGST (-) beschrieben werden. Liebe führt zu Wachstum, im Gegensatz dazu verhindert (verkrüppelt) Angst Wachstum. Tatsächlich kann sich jemand buchstäblich zu Tode fürchten.

Die Wahrnehmung von Umweltbedrohungen unterdrückt Zellwachstumsaktivitäten und führt dazu, dass die Zelle ihr Cytoskelett abändert, um eine Schutzhaltung einzunehmen. Die Unterdrückung von Wachstumsmechanismen konserviert wertvolle Energie, die für das Ausführen von lebensrettenden Schutzverhaltensweisen benötigt wird. Bei Menschen hat ein vergleichbarer systemischer Schalter die Aufgabe, Wachstums-Prozesse zu beenden und uns darauf vorzubereiteten, Schutzreaktionen einzuleiten. Dieser Umschaltmechanismus ist die Hypothalamus-Hypophyse- Nebenniere Achse (HPA). Der Hypothalamus im Gehirn ist verantwortlich für die Wahrnehmung und die Beurteilung von Umweltsignalen. Die Wahrnehmung von Stress führt dazu, dass der Hypothalamus einen Corticotropin freisetzenden Faktor absondert  (CRF), der wiederum bestimmte Hypophyse-Zellen dazu bringt, adrenocorticotrope Hormone (ACTH) ins Blut abzugeben.

ACTH stimuliert die Nebennieren-Drüse, Hormone abzusondern. Diese Hormone sind der Hauptschalter, der die Wachstums/Schutz-Aktivität des Systems steuert und den vaskulären (Gefäß-) Fluss leitet, um Kampf oder Flucht-Reaktionen vorzubereiten. Erstens verlagern die Nebenniere-Hormone Blut aus den inneren Organen des Körpers und leiten sie in Richtung Körpergewebe, welches eine Schutzhaltung einnimmt. Ein reduzierter Blutfluss zu den inneren Organen führt per definitionem zu einer Unterdrückung von Wachstum-induzierendem Verhalten.

Zweitens blockieren die Nebennieren-Hormone direkt die Tätigkeit des Immunsystems, des internen Schutzmechanismus.

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Die Funktion des Nebenniere-Systems ist es, den Körper vor Bedrohungen zu beschützen, die er in der Umwelt wahrnimmt. Die Unterdrückung des energieaufwändigen Immunsystems setzt mehr Energie frei für das somatische System. Das führt dazu, dass je mehr Stress man erlebt, desto anfälliger wird man für Krankheiten.

Nebennierehormone leiten auch den Blutfluss im Gehirn um, indem sie Blutgefäße im Vorderhirn verengen und Blutgefäße im Hinterhirn erweitern. „Fight or Flight“ Situationen werden erfolgreicher ausgeführt, wenn Reflexverhalten aus dem Hinterhirn eingesetzt wird. Die Einschränkung des Vorderhirn-Blutflusses unterdrückt logisches und executive Denken, da die langsameren Denkreaktionen letztendlich Fight / Flight Reaktionen gefährden.

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Haben Sie es jemals erlebt, dass Sie ihre gesamte Intelligenz verloren, als Reaktion auf einen Adrenalin-vermittelten Prüfungsstress? HPA-Stress führt kollektiv zu einer Unterdrückung von viszeral-vermitteltem Wachstum, behindert das Immunsystem und die Intelligenz. Das Ausmaß der Ausprägung dieser Einflüsse steht in einem direkten Verhältnis zu dem Level von wahrgenommenem Stress. Je mehr Stress, desto weniger Wachstum. Die Beeinträchtigung des Wachstums durch aufgrund von chronischem Stress führt zu Krankheit, da der Körper nicht imstande ist, seine Stoffwechsel-Vitalität aufrechtzuerhalten. Schließlich beginnt die konventionelle Schulmedizin zu realisieren, dass die genetische Ausprägung, die die Beschaffenheit des Körpers beinflusst, von der Umgebung gesteuert wird. Jedoch wird die Wachstums- oder Schutzhaltung einzelner Gewebezellen und Organe von der Umweltwahrnehmung des Nervensystems gesteuert. Wahrnehmungen sind Glaubenssätze. Verfälschte Wahrnehmungen können unpassend physiologische Mechanismen verstärken oder einschränken und so Krankheiten hervorrufen. Die Rolle der Wahrnehmung und der Seele (mind) rückt nun in den Mittelpunkt des Interesses für die Schulmedizin, in dem Versuch die Mysterien des Placebos und des psychosomatischen Stress zu entschlüsseln.

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Die Macht der Wahrnehmungen oder der Glaubenssätze in der Förderung von Gesundheit oder Krankheit wurde als erstes von D.D.Palmer erkannt. In der Chiropraktik, konstituieren die Wahrnehmungen das Educated und es ist dieses Educated, das die Innere Intelligenz stört und beunruhigt. Er schrieb, die entscheidenden Auslöser von Krankheiten sind Traumatas, Gift und Auto-Suggestion.

1D Auto-Suggestion (persönliche Glaubenssätze, Selbst-Gespräche) führen zu auto-traumatischen Aktivitäten gegen irgendein Organ oder Teil des Körpers und verändern so Körperfunktionen, indem sie krankmachende Zustände hervorrufen oder lindern. Dieser Prozess ist mental, unabhängig von äußeren Einflüssen.

1E Wenn das Educated Umweltstress wahrnimmt, wird es die Notwendigkeit einer Schutzreaktion signalisieren. Schutzverhaltensweisen, die vom Nervensystem vermittelt werden, werden das Rückgrat anpassen, um eine defensive Haltung zu ermöglichen. Denken Sie an das Verhältnis zwischen einem mächtigen Alpha-Rüden und einem Hund einer niedrigeren Rangordnung. Der zweitere wird eine unterwürfige schützende Haltung einnehmen, den Kopf senken und den Körper niedrig halten, um zu vermeiden, die Wut des Alpha-Rüden auf sich zu ziehen. Nachdem er diese Haltung eine lange Zeit beibehalten hat (also eine chronische Schutzreaktion ausführt) wird das Rückgrat des Hundes eindeutige Subluxationen entwickeln, die einen negativen Einfluss auf seine Gesundheit haben. Eine Anpassung/Behandlung? des Rückgrats würde diese Subluxationen mildern. Wenn der Hund jedoch in die selbe Umgebung zurückkehrt, wird er weiterhin die Erfordernis einer Schutzhaltung wahrnehmen. Unter solchen Umständen, wird das Educated des Hundes auto-suggestive Mechanismen anwenden, die sein Rückgrat wieder in die subluxierte Haltung bringen. Zusätzlich zu der Anpassung, muss der Hund entweder seine Umgebung verändern, oder seine Wahrnehmung ändern, um frei von Krankheit zu bleiben.

Wie Palmer vorschlägt, muss der Chiropraktiker die Rolle der Auto-Suggestion ernsthaft in den Heilungsprozess einbeziehen. Während Anpassungen/Behandlungen alleine zwar Subluxationen mildern können, können die Probleme, die von einem sich irrenden Educated hervorgerufen werden eine Umerziehung erfordern, um krankheitsfördernde Glaubenssätze zu verändern. Im Jahr 1907 wies die Chiropraktik D.D.Palmers Philosophie zurück, da sie zu religiös oder metaphysisch sei. Um sich selbst in einem wissenschaftlicheren Licht zu präsentieren, hat sich die Profession in den letzten 90 Jahren schrittweise der Schulmedizin angenähert. Interessanterweise beginnen nun Schulmediziner, Palmers Wahrheit zu realisieren. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, werden möglicherweise die Schulmediziner bald chiropraktischer sein als die Chiropraktiker!

Chiropraktische Philosophie – eine Wissenschaft im Aufbruch

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